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24 Stunden als Influencerin vs. Real Life

von Asli Aslan

Mein Experiment «24h als Influencerin» begann mit einem Doppelkreuz: #herbschtimschlitz. Die Glarner Rapper YT & Radical haben einen gleichnamigen Song über ihren Heimatkanton geschrieben. Wer sich nun fragt, welcher Kanton «Schlitz» heisst, ist vielleicht nicht ganz allein. «Schlitz» ist die Verkürzung für «Zigerschlitz» und eben dieser ist der Kosename des Kantons Glarus – kombiniert aus der Glarner Spezialität «Schabziger» und der steilen Glarner Berglandschaft. Das Kantonsmarketing Glarus teilt die Freude der beiden Rapper am «Zigerschlitz» und seiner farbenprächtigen Herbstlandschaft. Nicht nur die Glarner sollen davon erfahren, sondern die ganze Schweiz, die ganze Welt. Und weil Bilder mehr als tausend Worte sagen, starteten die Glarner eine Instagram-Kampagne. In diesem Rahmen organisierte Glarnerland Tourismus an zwei Wochenenden Instameets im Glarnerland samt Übernachtung und Programm. Ausgewählte Instagrammer wurden kontaktiert und dazu eingeladen. Das Experiment sollte die Bekanntheit der Region steigern und natürlich die versteckten Perlen im «Schlitz» zum Vorschein bringen. Das Ganze wurde auch zu meinem eigenen Experiment: Als Nano-Influencerin mit knapp 230 Followern wollte ich das Leben der Internet-Sternchen persönlich erleben und fragte mich: Was macht ein Influencer und wie sieht sein Lifestyle aus? Ist es mehr als ein perfektes Foto mit dem besten Filter, dazu noch eine Caption und nicht zu vergessen die passenden Hashtags setzen?

Erwartungen an das Leben einer Influencerin
An einem sonnigen Oktoberwochenende führte mich die Reise vom Bodensee ins Glarnerland. Kaum im «Schlitz» angekommen ging es schon los: Fotos schiessen, kurze Videoaufnahmen teilen und bloss die Markierungen und #herbschtimschlitz nicht vergessen! Beim Spazieren studierte ich ständig, wo ich schöne Bilder machen könnte. Wenn die Sonne nicht richtig vom Himmel strahlte, um den Herbst in Szene zu setzen, nervte mich das total. Als ich mich dabei ertappte, wie ich mit laufender Kamera an einer Kuh vorbeispazierte, legte ich mein Handy weg. Mir war es viel wichtiger die Natur zu erleben statt die Tiere zu stören.

Beim Abendessen traf ich die anderen Instagrammer und musste feststellen, dass sich alle schon gegenseitig folgten und eine rege Diskussion stattfand. Nicht am Smartphone, sondern offline am Tisch. Während ich das Programm vom kommenden Tag studierte, überlegte ich bereits, wo besondere Spots für die schönsten Schnappschüsse sein könnten. Vor allem merkte ich mir die Anhaltspunkte für Naturbilder und hatte bereits das Endergebnis vor Augen. Doch die Realität übertraf meine Erwartungen, denn in echt war die Aussicht viel schöner.

Ein Anblick ohne Filter
Spätestens beim wunderschönen Talalpsee wurde mir klar: Anstatt die Ruhe und die Aussicht zu geniessen, eilte ich von links nach rechts, um den perfekten Moment festzuhalten. Ständig blickte ich auf den kleinen Bildschirm in meiner Hand: Wie viele haben meinen Beitrag gesehen? Wer hat das Bild gelikt oder kommentiert? Dass der Akku endlich leer war, erleichterte mich regelrecht. Bei der zweistündigen Heimfahrt konnte ich einfach aus dem Fenster schauen und meine Gedanken schweifen lassen.

Nach einem spannenden Wochenende mit vielen Erlebnissen und coolen Begegnungen wurde mir eins klar: kein Instagram-Lifestyle für mich. Influencer sein ist Knochenarbeit. Fotos schiessen, Videos aufnehmen, auf die Kommentare antworten – das erfordert viel Ausdauer und Zeit. Aufnahmen entstehen nicht durch eine Linse oder mit Photoshop. Der wortwörliche Augenblick reicht für mich, ein Bild im Gedächtnis zu speichern. Dennoch machte das Instameet sehr viel Spass, da ich unterschiedlichen Leuten begegnete und die Gespräche umso spannender waren.

Infobox
Laut einer Studie (karrierebibel.de) trifft jeder Mensch bis zu 20’000 Entscheidungen am Tag. Influencer motivieren uns extrinsisch eine Entscheidung zu treffen. Doch Influencer- und Social Media-Marketing werden immer wichtiger. Als Kommunikationsagentur ist es deshalb essenziell, Trends zu verfolgen – immer mit dem Ziel, unseren Kunden einen Mehrwert zu bieten und auf den online Kanälen spannende Projekte zu realisieren. Dabei gilt es folgendes zu beachten:

Dos & Don’ts für Content Creator

Dos:

  • Sympathie und Authentizität
  • sich von den anderen abheben
  • der Community einen Mehrwert bieten
  • Geotargeting
  • Hashtags mit grosser Reichweite setzen
  • Captions kurz und knackig halten

Don’ts:

  • unglaubwürdiger Content
  • keine Beziehung zur Community
  • Aufnahmen mit schlechter Qualität
  • Produkte in den Vordergrund stellen
  • Fake Follower kaufen
  • Bilder zu stark bearbeiten
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