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Alp-Traum Disneyland

von Luzia Ehrbar

Im November 2018 feierte Mickey Mouse seinen 90. Geburtstag. Kaum zu glauben! Die Maus mit den grossen Augen und dem verschmitzten Grinsen scheint agil wie eh und je. Aus der Not geboren hat sich Walt Disneys Figur in die Herzen kleiner und grosser Comicfans geschrieben und ist bis heute dort geblieben. Zusammen mit Minnie Mouse, Donald Duck, Tick, Trick und Track u.a. bevölkert sie nicht nur die Seiten zahlreicher Comic Hefte, sondern auch die Disneyparks in Amerika und Europa. Eine Erfolgsgeschichte wie sie im Buche steht. Fällt das Wort «Disneyland» jedoch bei einer Diskussion von Schweizer Touristikern, dann erscheint es als ein zu vermeidendes Übel. Man Möge die Destination, das Hotel oder das Freizeitangebot davor bewahren. Alp-Traum Disneyland!?

Walt Disney erschuf mit Farbe und Fantasie ein Comicreich, das scheinbar keine Grenzen kennt. Aus der Idee der Bildergeschichten entstanden riesige Vergnügungsparks. In der Nähe von Orlando oder in der Agglo von Paris reihen sich Fahrgeschäfte um das sahnetortenförmige Cinderella-Castle, ziehen Disney-Figuren in einer Parade durch die «Main Street». Disneys Welt ist perfekt inszeniert, ein in sich geschlossenes Universum. Disneyparks könnten überall auf der Welt stehen, wo es genug Platz gibt und Menschen dem Alltag in eine Fantasiewelt entfliehen möchten.

Fantasie beflügelt die Regionalentwicklung

Gerade das wollen die Touristiker vermeiden. Das Besondere in Schweizer Tourismusdestinationen will nicht «gemacht» sondern «gefunden» werden. Fantasie steht nicht für sich, sondern ist Mittel zum Zweck, die Region auch auf weite Distanzen hin sichtbar zu machen und unterschiedliche Facetten mit einem roten Faden zu verbinden. Wie das gelingen kann, zeigt das Regionalentwicklungsprojekt «Drachental» im Seetal. Seit April 2018 bevölkern Drachen die Seen und Schlösser und geben der Region im Grenzgebiet Aargau – Luzern einen neuen Namen. Der Drachenstein auf dem Pilatus und der Kinderliebling Drache Fauchi im Schloss Lenzburg haben die Fantasie des Autors Dan Wiener beflügelt. Entstanden ist ein reich bebildertes Buch mit einer Geschichte über die Seetaler Drachenfamilien. Die Wasserdrachen Hallie und Baldie haben im Hallwylersee eine Heimat gefunden. Der Feuerdrache Fauchi hat Freunde und Familie auf Schloss Lenzburg bekommen und vieles anders mehr.

Keine Story ohne Storyteller
Es braucht Storys, um Inhalte interessant und unterhaltsam zu verbinden. Es braucht aber auch Personen, die sie erzählen. In der «Seetaler Drachensaga» ist das Professor Ambrosius Ferdinand Sigismund Maria von und zu Drachenfels. Im Seetal selbst schlüpft Dan Wiener gerne in die Rolle des Professors und erzählt Familien von den neuesten Erkenntnissen der Drachenforschung. Sein Arbeitszimmer mit aussergewöhnlichen Forschungsinstrumenten wie dem Drakometer oder dem Drakotranslator auf Schloss Heidegg steht allen kleinen und grossen Hobbyforschern offen. Inzwischen hat Dan Wiener zusammen mit der Agentur gutundgut Forschungsassistenten ausgebildet, die lebhaft und spielerisch die Brücke schlagen zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Denn: Wirkliche Drachen bekommt man im Seetal nur selten zu Gesicht. Statt überlebensgrosse Figuren finden sich nur Spuren und die Einladung, sich auf die Suche zu machen und die Region in allen ihren Facetten zu entdecken.

Das Drachental ist kein Disneyland, weil es aus der Region heraus für die Region entstanden ist. Weil Hörstationen, Forschungszimmer und -Geräte nicht die Region bestimmen, sondern ihre Besonderheiten betonen. Weil engagierte Menschen vor Ort sich begeistern lassen und zu authentischen Botschaftern der Geschichte werden.

https://www.seetaltourismus.ch/de/aktuell/drachental-seetal/

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