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Ein kulinarisches Feuerwerk aus regionaler Produktion

von Werner Kälin

Was landet am 1. August auf dem Teller? Vor allem: Woher stammen die kulinarischen Köstlichkeiten? Aus der Schweiz – Ehrensache am Nationalfeiertag! Regionales Einkaufen ist auch ausserhalb des Nationalfeiertags Trend und nützt rundum.

Essen ist nicht Wurst

Warum die Schweiz ihren Nationalfeiertag mit Feuerwerk feiert, war mir schon als Kind nicht klar. Ich hatte einfach nur Schiss davor. Hingegen war mir als Kind sehr klar, warum wir am 1. August Cervelats bräteln. Noch heute ist mir die Schweizer Nationalwurst lieb. Sie passt irgendwie zu meinem Schweiz-Bild: So richtig stolz sind wir nicht auf sie, aber fehlen darf sie auch nicht. Jedenfalls hat der Cervelat schon einige Krisen überwunden. Mehr darüber verrät das Buch «Cervelat – die Schweizer Nationalwurst» vom AS Verlag.

Krisen dominieren gerade die gesellschaftliche Diskussion. Der Verzehr von Würsten und das Betrachten von Feuerwerk werden an diesem 1. August nicht genügend Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit liefern. Dafür wird kaum eine Rede über die Bühne gehen, ohne die Corona-Krise und auch die Klima-Krise aufs Tapet zu bringen. Reden, die heuer vielleicht vermehrt gehört werden, als in früheren Jahren.

Regionalität zieht 

Auch der kulinarische Teil am Nationalfeiertag kann einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Veränderung beitragen – weil er zum Beispiel für das Wohl des lokalen Gewerbes sorgt. Während der Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig Einkaufen in der Nähe ist. Spinnt man den Gedanken weiter, gehört auch regionale Produktion dazu. Ein Trend, dem Initiativen im ganzen Land folgen.

Im Trend sind zum Beispiel rund 80 Bauern, Älpler und Jäger aus dem Glarnerland. Sie bauen derzeit ihre neue «Puurä Metzg» im Sernftal. 2018 gaben sie für deren Finanzierung 1000 Solidaritäts-Würste heraus. Dieses Jahr wird der Schlachtbetrieb eröffnet. Der Clou: Die Wertschöpfung bleibt vollständig in der Region. Zum Start dieses Kraftakts vor zwei Jahren durfte Panta Rhei PR das Projekt begleiten. 

Ein strahlendes Beispiel regionaler Produktion ist der Nussknacker von Malans. Zusammen mit Bauern aus dem Bündnerland, dem St. Galler Rheintal und Luzern gründete Johannes Janggen eine Genossenschaft. Das Herzstück des Engagements ist eine Nussknack- und Sortiermaschine. Ziel ist es, die Walnuss regional zu ernten und zu verarbeiten, damit die traditionsreiche Bündner Nusstorte wieder bündnerischer wird. Ebenso strahlend ist die noch junge Initiative Ackr: Sie rettet einwandfreies Schweizer Gemüse vor dem Abfall und macht Delikatessen daraus.

Mehr Prominenz für Cervelat & Co.

Ob Fleisch aus dem Sernftal, Erdbeerwein aus dem Entlebuch oder Absinth aus dem Val de Travers: Nach der Herstellung ist vor dem Vertrieb. Die Zauberworte für den Direktvertrieb lauten Vernetzung und Sichtbarkeit. Die «Puurä Metzg» gewährt im Rahmen der «Industriespionage» einen Blick hinter ihre Kulissen, zum Beispiel am 15. August. Agrotourismus Schweiz vernetzt Hofläden im ganzen Land auf einer Website und am Fusse der Rigi hat ein digital versierter Gründer verschiedener Start-ups den Online-Hofladen Rigi Farm für die Produzenten der Region entwickelt. Die Jurassier setzen auf eine grenzüberschreitende Absinth-Strasse und die Entlebucher auf die Biosphäre. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise haben sich Initiativen spontan entwickelt – zum Beispiel in der Gemeinde Glarus mit üsers Glaris, einer Plattform mit user-generated Content, oder im Kanton Schwyz mit Hopp Schwyz, einem Impulsprogramm inklusive Flagge. 

Das dritte Zauberwort ist die Empfehlung. Hier kommen die Kunden als Storyteller ins Spiel. Sind sie von der Qualität des Produkts überzeugt, dürfen sie durchaus mal zu Wort kommen – sei es direkt im Freundes- und Bekanntenkreis, durch PR und Influencer Relations, mit einem Video auf der Website und auf Social-Media-Kanälen.

3 Fragen an André Siegenthaler, Bio-Bauer in Engi GL
Vizepräsident der Fleischgenossenschaft Sernftal

Wie sieht es mit der «Puurä Metzg» aus – wann nimmt sie den Betrieb in Engi auf?

Schon bald: Mitte August ist «Probeschlachtung». Im September nimmt der Betrieb mit dem Jagdbeginn und dem Ende der Alpsaison Fahrt auf. Die Produkte gibt es im Direktvertrieb bei unseren Bauern und Jägern, zum Teil bei einigen Wiederverkäufern. Geplant ist auch ein Automat, damit Gäste auf dem Heimweg von Elm oder den Weissenbergen unsere Spezialitäten mit nach Hause nehmen können.

Vor zwei Jahren waren Sie ihrer Zeit noch etwas voraus – inzwischen verstärkt sich der Trend zum regionalen Einkaufen. Stellen Sie eine erhöhte Nachfrage fest?

Mit unserer Metzg treffen wir sicher den Nerv der Zeit. Der Trend zu regionalen Produkten wurde mit COVID-19 noch verstärkt. Unsere Bauern erhalten zum Teil Anfragen, ob man bei ihnen Produkte kaufen kann, falls diese im Detailhandel nicht mehr erhältlich sind. Es geht weiterhin darum, mit Qualität und Regionalität zu überzeugen. Wichtig ist für uns – neben dem Rind – das Kleinvieh. Wir wollen Glarner Ziegen- und Schaffleisch den Ruf geben, den es verdient. Den Ruf von etwas Köstlichem.

Was ist für Sie besonders wichtig, um Menschen von ihren Produkten zu überzeugen?

Im Kanton Glarus hat es auf dem Markt mit den klassischen Metzgern genug Platz für alle Anbieter. Wir wollen unsere Produkte aber auch ausserhalb des Glarnerlands verkaufen, und da liegt der Internet-Verkauf auf der Hand. Wichtig ist für uns der Dialog zwischen Stadt- und Landbevölkerung – also auch ein Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und gegen eine zunehmende Polarisierung.

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