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Fanfaren, Fahnen und Farbe

von Andy Roth

«Jubiläumsfeierlichkeiten sind oft Selbstinszenierungen mit der Absicht, eine möglichst breite Öffentlichkeit daran zu erinnern, was eine Institution bereits alles geleistet hat.»

Was wie eine böse Unterstellung klingt, mag vielleicht zutreffen. Ein Jubiläum ist ein Meilenstein in der Chronik eines Unternehmens. Oft sogar ist das der Aufhänger für die gesamte Themenplanung im Jubiläumsjahr. Das sind allerdings eher die grossen Jubiläen von Hundertjährigen, von Unternehmen und somit auch von entsprechenden Budgets. Ein solcher Ehrentag animiert zweifellos zu einem Rückblick auf die Geschichte, zu Erinnerungen an die Anfangszeit und zum gegenseitigen Schulterklopfen. Und nicht zuletzt sind die Medien immer wieder dankbar dafür, im Archiv zu graben. Manchmal sind gefundenen Trouvaillen noch nicht sehr alt, aber definitiv aus einer anderen Zeit. Innert einer Woche sind mir als Digital Native folgende Happenings aufgefallen:

50 Jahre Farbfernsehen
Am 1. Oktober 1968 schaltete der SRG-Generaldirektor feierlich auf Farbe um. Allerdings konnten nur 6 000 Haushalte von insgesamt 900 000 Fernseh-Abonnenten die farbigen Sendungen empfangen. Das Angebot hat also die Nachfrage entwickelt. Heute ist das umgekehrt: HD-ready, Full-HD oder Ultra-HD-Geräte stehen längst im Fachhandel, bevor die TV-Inhalte flächendeckend in der entsprechenden Qualität ausgestrahlt werden. Ganz egal, wie aufgelöst die Sendungen mein Wohnzimmer erreichen: ich mag die farbige Vielfalt von SRF.

20 Jahre Google
An meine ersten Gehversuche im Internet kann ich mich noch gut erinnern: Eine Zürcher Bank (feiert bald selbst ein grösseres Jubiläum) stellte uns an ihrem Hauptsitz Internet zur Verfügung. Als Suchmaschine verwendeten wir AltaVista, als Browser den Netscape Navigator. Google war noch kein Thema, weder als Suchmaschine noch als Browser. Kaum zu glauben, so rückblickend. Heute ist Alphabet – der Mutterkonzern – mit stattlichen 853 Milliarden Dollar bewertet und beschäftigt über 85 000 Mitarbeitende. Unglaublich ist auch das erste Büro – pardon – die erste Garage von Google.

10 Jahre Spotify
Für Musik gab ich schon immer Geld aus damit der Künstler weiterhin Musik machen kann. Das wiederum hat sich allerdings nicht in allen Fällen ausbezahlt… Mit dem Aufstieg des Internets begann auch der Niedergang der Musikindustrie. Eine verwöhnte Branche belächelte technologischen Fortschritt – und fiel tief. Digitalisierung verstanden hat Spotify: Smartphones als Abspielgerät haben alle in der Tasche, Platz für tausende Tonträger haben wenige, und die always-on Gesellschaft will sich genau dieses Lied jetzt und hier anhören. Streaming hiess die Lösung. Zuerst wurden wir mit kostenlosen Accounts angefixt, jetzt stört sich niemand mehr für den Zugriff auf 35 Millionen Songs monatlich knapp 13 Franken zu bezahlen (Bei Starbucks gibt’s für das Geld nicht mal zwei Milchkaffees). Spotify ist praktisch für den Haus- bzw. Mobilgebrauch und aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für den bewussten Genuss inklusive haptischem Feedback darf es aber gerne auch eine limitierte Vinyl-Platte sein – Staubknistern inklusive.

Fun Fact: Was der Börsengang von Spotify mit der Schweizer Fahne zu tun hat.

Easter Egg: Wie wir gefeiert haben, ist drüben auf Facebook zu sehen.

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