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Gender Gap – die Branche im Spagat

von Reto Wilhelm

Der neueste Report von Global Women in PR – einem internationalen Netzwerk für weibliche Senior Consultants – bringt’s ans Tageslicht: Frauen in Agenturen haben keinen leichten Stand. Wir müssen uns den Spiegel vorhalten. Und uns fragen, weshalb dem so ist. Die Studie, in der rund 700 Expertinnen und Experten befragt wurden liefert deutliche Antworten. Zwar sind sich 2/3 der befragten Agenturchefs (meistens immer noch Männer) einig, dass es mehr Frauen in Führungspositionen braucht. 64 Prozent sind überzeugt, dass dank der Präsenz von Frauen im Topmanagement die Profitabilität des Unternehmens steigt. Trotzdem gibt es erhebliche Hürden, die den Aufstieg von Frauen behindern.

Namentlich:

  • 80% der Befragten vermissen Angebote für Kinderbetreuung
  • 70% wünschten sich flexiblere Arbeitsmodelle
  • 46% plädieren für mehr Homeoffice
  • 39% signalisieren, dass die Geburt eines Kindes vor allem für Frauen ein Hindernis für Karriere darstellt (bei Männer sind es lediglich 2%)
  • 28% der Väter nur erhalten bezahlten Vaterschaftsurlaub
  • 25% der Eltern erhalten Support für Elternurlaub

Eine weitere erschütternde Zahl:

Ein Drittel der Frauen erlebte am Arbeitsplatz sexuelle Belästigung – primär durch Kollegen, seltener durch Chefs. 60 Prozent der befragten Frauen haben dieses Problem dem Arbeitgeber nicht gemeldet. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil eine neutrale Meldestelle fehlt.

Und was ist nun zu tun? Die Autorinnen schlagen folgendes Fünf-Punkte-Programm vor:

1. Flexiblere Arbeitsmodelle einführen (70%)
2. Mehr weibliche Vorbilder in Führungspositionen (66%)
3. Mehr Bewusstsein im Management für Gleichstellungs- und Diversity-Fragen (54%)
4. Mentoring-Modelle von Frau zu Frau einführen (54%)
5. Faire Verteilung der Elternarbeit auf Mann und Frau (51%)

Dass die Branche hier Handlungsbedarf hat, muss jedem – vor allem Mann – einleuchten. Denn die Zukunft, nicht nur in der Agenturwelt, ist weiblich. Und wir tun gut daran, hier rechtzeitig die Zeichen der Zeit zu erkennen, denn die Rekrutierungsfrage ist per se auf der Agenda.

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