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GO oder NO-GO

von Reto Wilhelm

Nun also kommt die nächste Welle. Die Macher von Pokémon Go, die vor gut zwei Jahren die Welt in Staunen und Bewegung versetzten mit einem Spiel, das Realität und virtuelle Welten zusammenführt, legen nach. Zusammen mit der UNTWO – das ist die UN-Organisation, die sich um die touristische Entwicklung auf dem Globus kümmert – wollen sie ein neues Spiel entwickeln, dies im Rahmen von deren Entwicklungsprogramm «Travel.Enjoy.Respect». Der Arbeitstitel – so die Medienmitteilung von gestern – lautet: «Tourismus Go». Und wiederum sollen AR – also Artificial Reality – und RR (= reale Realität) aufeinandertreffen. Aber noch mehr sogar: Spielerisch sollen wir, die gerne reisen, die Welt entdecken. Natürlich nachhaltig-lernend, denn alles andere wäre weder opportun noch im Zeitgeist.

Das ist ein grosses Wort, eine hehre Absicht auch. Und vielleicht auch ein Ausweg für den weltweit beklagten Overtourism. «Aufmerksamkeit für nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Reisen» soll so gefördert werden, gerade auch in bislang wenig entwickelten Ländern. Spielfreudige Menschen sollen so neue Ecken der Welt entdecken und in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung kommen, wo dann gemeinsam weitergespielt wird. Eigentlich verlockend, solange der Weg zum Ziel auch nachhaltig, sprich: umweltverträglich (soweit dies bei touristischem Verkehr überhaupt möglich) ist. Denn wenn stattdessen nun Hunderte von Spielern plötzlich zu den Denkmalpflegern der Maya-Pyramiden in Guatemala fliegen, mit den Kameltrekkern in Zagora am Tor zur Sahara um die Wette pokern oder bei den Perlentaucherinnen in Mikomoto zum Gamen auftauchen, dann wird’s wieder eng. Oder fördert das Gegenteil dessen, was man fördern wollte. Es braucht also sicher kluge Spielregeln, um zwar einen wünschenswerten Hype für Unentdecktes, aber zugleich einen vernünftigen und respektvollen Umgang mit diesen Menschen und Reiseumwelten zu pflegen. Auswüchse à la Game-Battles auf Friedhöfen à la Pokemon Go und ähnliches sind hier sicherlich zu vermeiden.

Übrigens: Das ganze Spiel hat noch eine andere Dimension – eine vierte sozusagen. Mit diesem Game will – so berichten Fachmagazine – Niantics seine AR-Cloud aufbauen. Mit Hilfe von vielen Freiwilligen, die sozusagen den Server mit 3-D-Ansichten rund um die Welt füttern. Dass bei diesem Spiel auch viel Geld im Spiel ist, versteht sich. Bislang hat allein das vergleichbare AR-Projekt Pokemon Go rund 2 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Wer am Ende profitiert? Das Spiel bleibt offen…

Mehr zu «Tourismus Go»:
vrodo.de gamespress.com

Das sagen die Macher: golem.de

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