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Kulissenwechsel: Teufelsbrücke statt Opernhaus

von Werner Kälin

Der Frühling kommt – spätestens mit dem Sechseläuten so gut wie sicher. Spätestens heute Abend irgendwann nach 18 Uhr wäre das Zürcher Frühlingsfest offiziell zu Ende. Dann, wenn der Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus zum Volksbräteln freigegeben würde.

Heute müssten die Zürcherinnen und Zürcher etwas weiter als üblich reisen, um ihre Wurst in der Böögg-Glut zu grillieren. Und zwar mitten ins symbolische Herz der Schweiz, in die Schöllenenschlucht zur Teufelsbrücke. Dort gibt Uri dem Böögg das Gastrecht, nachdem der Bergkanton eigentlich dieses Jahr selbst Gast in Zürich gewesen wäre. Adrian Zurfluh* weiss mehr darüber, was die erneute Absage 2021 für Uri bedeutet.

Wie hätte der Auftritt des Kantons Uri ursprünglich ausgesehen?

Kernstück des Auftritts ist die Gestaltung des Platzes auf dem Lindenhof. Dort wollten und wollen wir eine Marktstrasse mit Urner Produkten veranstalten. Es gibt auch eine Ausstellung, bei der sich Zürcherinnen und Zürcher ein Bild von Uri machen können. Als drittes Element ist reichlich Volkskultur geplant. Unter anderem sind Auftritte diverser Musikformationen im Zelt auf dem Lindenhof geplant. 

Worauf hätten Sie sich besonders gefreut?

Die Urner Kinder hätten sich auf die Teilnahme am Kinderumzug gefreut. Das wird auf nächstes Jahr verschoben. Schliesslich wird der Zug zum Feuer am Montag auch einige Urner Elemente beinhalten. Da darf der Tell nicht fehlen, aber auch die Gotthardkutsche oder weitere Elemente, die zur Lebensfreude gehören in einer Stadt, wo der Frühling erwacht.

Was bedeutet – nach 2020 – die erneute Absage für den Kanton Uri?

Der Anlass in der Schöllenen ist eine Art «Trostpflästerli» für uns Urnerinnen und Urner, weil wir noch ein weiteres Jahr warten müssen mit dem Auftritt in Zürich. Wir planen aber, unseren Auftritt 2022 auf dem Lindenhof, am Kinderumzug und am Zug zum Feuer durchzuziehen. 

Wie kommt der Böögg zur Teufelsbrücke?

Er wird mit einem Lastwagen transportiert. Ebenso wie ganz viele Holzbürdeli, die am Montag zum Scheiterhaufen aufgeschichtet werden. Dann wird er mit dem Kran auf den spektakulären Verbrennungsort gehievt.

*Adrian Zurfluh ist Informationsbeauftragter des Kantons Uri und OK-Präsident des Gastauftritts von Uri am Sechseläuten 2022.

Mit dem Sechseläuten ist es so eine Sache

Die einen sehnen sich das ganze Jahr danach. Die anderen haben dann einfach frei. 2017 erlebte ich die lebendige Tradition hautnah, als ich den Gastkanton Glarus kommunikativ begleiten durfte. Kurz: Es war grandios. Ich war nicht schlecht überrascht, was dieses Fest alles in sich hat. 

Allein die Dramaturgie ist eindrücklich

Das Sechseläuten beginnt schon am Freitag mit der Eröffnung, steigert sich Tag um Tag und tatsächlich: Die Verbrennung des Bööggs ist der absolute Höhepunkt. Knall und bumm und alles ist vorbei. Dann übergeben die Zünfte und die Traditionsbewussten den Platz der «anderen» Bevölkerung zum Volksbräteln. 2017 verteilten dort die Glarner Metzger ihre Kalberwürste gratis.

Zürich ist ein beliebter Zielmarkt

Das Sechseläuten ist eine grossartige Gelegenheit für den Gast, sich im viel umworbenen Zürich ins beste Licht zu rücken. 2017 gingen Glarner Pasteten, Alpkäse und Schabziger wie warme Weggli weg. Auch der Tourismus, die Kultur und der Sport erhielten Plattformen, die sich ihnen selten bieten. Am Sonntag winkten die Kids mit Glarner Tüechli um die Wette und am Zug zum Feuer erlebte mancher Verein – von den Tambouren bis zu den Tibetern – einen unvergesslichen Auftritt. 

Das gemeinsame Glücksgefühl ist unbezahlbar

Noch heute kann ich die Freudentränen nur schwer unterdrücken, wenn ich an das Sechseläuten 2017 zurückdenke. Es waren vier Tage Ausnahmezustand im positiven Sinne. Vier Tage Dauerglück, an denen die beteiligten Glarnerinnen und Glarner gemeinsam einfach grandios waren. Dieses Glücksgefühl ist nebst den zahlreichen verkauften Produkten und dem unschätzbaren Marketingwert unbezahlbar. Dieses Gefühl ist den Urnerinnen und Urnern am Sechseläuten 2022 von ganzem Herzen zu wünschen. Vorher gibt es heute Abend die Live-TV-Übertragung von der Teufelsbrücke im Kanton Uri.

Bild: Andrea Merten (Pixabay)

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