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Transformation ausprobieren

von Werner Kälin

Eingebettet in die Bergwelt rund um Glarus produziert seit 1902 die älteste Stuhl- und Tischmanufaktur der Schweiz Möbel mit Kultstatus. Das Industrieareal befindet sich in einer Transformationsphase zur gemischten Nutzung von Wohnen und Arbeiten. Für Arealentwickler und Anwohner ist klar: Die Möbelfabrik soll bleiben und das Areal soll sich öffnen.

Dem Charme dieses Industrieareals bin ich bei einem Testmonat in der «Raumstation» verfallen. Das moderne Coworking-Angebot ermöglicht auf dem geschichtsträchtigen Möbeliareal Begegnungen von Menschen mit verschiedensten Hintergründen – zum Beispiel der Jungunternehmer, der flexibel sein will oder die freischaffende Journalistin, die eine Büro-Basis braucht. Zum Beispiel die Pendlerin, die ihre Mobilitätsrate reduziert oder der PR-Berater, der die Nähe zu seinen Kunden schätzt. Sie und andere, Einzelne oder Teams, treffen in der «Raumstation» aufeinander, ein Stockwerk tiefer auf das Team eines Architekturbüros und auf dem Gelände auf Mitarbeitende der Möbelfabrik und einer Fensterfabrik: Schreinerinnen, Lackierer, Hilfskräfte und Geschäftsleute. Einen Katzensprung entfernt befindet sich eine Buchhandlung mit Antiquariat, die weitere Begegnungen, Rückzug oder Zerstreuung ermöglicht.

Umnutzungen von Industriearealen und Coworking-Angebote gibt es natürlich auch anderswo. Sie in Zürich, Biel oder Schaffhausen auch zu testen, wäre sicher spannend. Bis auf den Ort haben sie aber vieles gemeinsam. Coworking Spaces sind zeitlich befristete Arbeitsplätze mit technischer Infrastruktur und geringen Fixkosten für die Benutzer. Sie lassen die Bildung einer Community zu, legen Wert auf Unverbindlichkeit und Flexibilität. In solchen Räumen profitieren Menschen voneinander, die in unterschiedlen Bereichen arbeiten oder gemeinsame Projekte entwickeln.

Coworking ermöglicht und verlangt, sich immer wieder auf andere Menschen, andere Zusammensetzungen und wechselnde Interaktionsgrade einzulassen. Coworking birgt das Potenzial neuer Partnerschaften genauso wie das Gefühl für die Anwesenden und Nicht-Anwesenden – zum Beispiel was Diskretion angeht. Wer ein vertrauliches oder längeres Telefongespräch führt oder ein Meeting hat, zieht sich zurück. Der Diskretion steht das Intime gegenüber. Einfach nur dasitzen und den ganzen Tag nicht miteinander reden: geht nicht. Einfach nur den ganzen Tag miteinander Kaffee trinken: geht auch nicht.

Zurück zum Testobjekt: Einer der wichtigsten Aspekte eines Coworking-Angebots ist der Raum an sich. Freundlich, stilvoll und praktisch eingerichtet soll er sein, haben die Recherchen der Arealentwickler ergeben. Deshalb kombinieren sie in der «Raumstation» die einwandfrei funktionierende Infrastruktur für zehn Arbeitsplätze mit einer Inneneinrichtung aus Textilien, Pflanzen und einem gemütlichen Divan mit Tischchen und Sessel. Eine Küche sowie eine Nasszelle mit WC und Dusche sind auch vorhanden. Auch Workshops und Veranstaltungen finden in der «Raumstation» statt – ein weiteres Element, das Coworking Spaces ausmacht.

Fakten zum Möbeliareal

Arealfläche: 12’925 m2
Lage: Industriezone, südlich
Erreichbarkeit: ÖV: Halbstundentakt von/nach Zürich, 7 Gehminuten vom Bahnhof Glarus entfernt
Bauzone: W3 ab 2018
Eigentümer: möbeliareal ag
Mieter: ag möbelfabrik horgenglarus, Fenbau GmbH, Künstler, aschmann ruegge architekten,
Coworking RAUMSTATION
Nutzung bisher: Industrie (Möbelproduktion, Fensterbau, Kunstateliers)
Nutzung neu: Mischnutzung Wohnen und Gewerbe
Website: www.möbeliareal.ch
Instagram: moebeliareal

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